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Munkácsy

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Munkácsy
Die Schicksalsproben der Jugend
Im Bann der Vergangenheit
Auf der Suche nach neuen Wegen
Die Epoche der Christus-Bilder
Drama
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Einleitung

Mihály Munkácsy gilt als einer der bedeutendsten Gestalten der Malerei des 19. Jahrhunderts.
Seine Verehrer und die Sammler seiner Werke halten ihn bis in unsere Tage für den größten
ungarischen Maler. Kaum fertiggestellt, erfreuten sich einige seiner Werke schon weltweiten
Ruhms: Der Meister wurde vom kunstverständigen- und liebenden Publikum Europas,
Amerikas und Ungarns gefeiert.
Mit der Armesünderzelle (Abb.28) (1869-1870), seinem ersten bedeutenderen Werk, gewann
er die Goldmedaille des Pariser Salons und später mit dem Milton (Abb.82.) (1878) die der
Pariser Weltausstellung. Anläßlich ihrer Ausstellung in Europa und sodann in Amerika wurde
seine Christus-Trilogie von Hunderttausenden gesehen und bewundert. Die zeitgenössischen
Zeitungen berichteten regelmäßig von seinen Erfolgen, und kaum fertiggestellt, wurden seine
Werke bereits im Atelier von reichen amerikanischen und europäischen Kunstsammlern
gekauft.
Diese Erfolgswelle dauert bis heute an, da in den ungarischen öffentlichen Sammlungen seine
Werke zu den meistbewunderten gehören, auf den internationalen Kunstmärkten wechseln sie
zu hohen Preisen den Besitzer. Sein guter Freund und Malerkollege, Mihály Zichy, meinte,
seine Rolle im kulturellen Leben Ungarns sei der Tätigkeit von Franz Liszt ebenbürtig und
charakterisierte sie wie folgt: „Beide […] verhalfen dem Namen der Ungarn zu gutem Ruf –
die Armesünderzelle (Abb.28.), Christus vor Pilatus (Abb.128.) und Milton (Abb.82.) sind
Werke von bleibendem Wert.“ Mit der nötigen distanzierten Ansicht, die der Nachwelt bereits
eigen ist, kann man feststellen, dass sich die Prophezeiungen erfüllten.
Einer der Gründe der erhöhten Aufmerksamkeit, der außerordentlichen Popularität und des
nachhaltigen Erfolgs mag im sonderbaren Schicksal verborgen sein, das sich immer zwischen
Extremen bewegte und in dem Tiefe und schwindelnde Höhen, Elend und blendende Pracht,
bedrückende Einsamkeit und glänzendes, lautes gesellschaftliches Leben sich abwechselten.
Der Tischlergeselle, der aus Armut und Unbekanntheit hervortrat, wurde zum berühmten
Maler, der in seinem Heim die Vornehmen Europas und Amerikas empfing. Seine
künstlerische Laufbahn nahm in den Tiefen der Gesellschaft ihren Anfang und führte in deren
Höhen. Für den Maler aber ging das alles mit ständigen inneren Kämpfen einher und war ein
Weg voller großer Kraftproben. Sein angeborenes Talent sowie seine Kraft und Mut, die er
selbst nie bewußt zu schätzen lernte, kamen ihm dabei zu Hilfe. Vor seinen Augen schwebte
immer nur ein einziges Ziel: die Schöpfung mit all ihren Freuden und Qualen. Dafür war er zu
allen Opfern fähig.
Der Künstler, dem lediglich sechsundfünfzig Lebensjahre beschert waren, faszinierte sein
Publikum. Die Kraft, die seine frühen Genrebilder ausstrahlten, die Einfachheit seiner
Sichtweise, später jedoch der erschütternde dramatische Charakter seiner Christus-Bilder, die
heitere, bunte Leichtigkeit seiner Salonbilder, die Eleganz seiner Monumentalwerke fesselten
selbst die von sensationellen Werken verwöhnten Kunstverständigen und Kunstsammler. Am
außergewöhnlichsten war aber wohl der aus seinen Werken fließende Gefühlsreichtum, von
dem sowohl die Darstellungen einfacher Geschichten als auch die Schicksalsfragen des
menschlichen Daseins analysierenden Kompositionen durchdrungen waren.
Noch im Jahr 1883 stiftete Munkácsy den nach ihm benannten Preis, der für den dessen
würdigen Preisträger sechstausend Francs jährlich bedeutete. An der Vorauswahl der
Preisvergabe nahm er persönlich teil. Dabei hielt er vor allem das zeichnerische Können des
Kandidaten bzw. dessen Entwicklung für wichtig.
Der Preis wurde gestiftet, um es Künstlern, die bereits über die nötige Ausbildung verfügten
zu ermöglichen, in Paris weiter zu studieren und somit die für ihre künstlerische Entwicklung
nötige Bildung erlangen konnten. Eine Voraussetzung Munkácsys war, dass man sich nur mit
einem fertigen Bild bewerben konnte, weil seiner Meinung nach die Skizzen nur wenig vom
zeichnerischen Talent eines Malers verraten. Das Preisausschreiben erfolgte jedes Jahr im
Frühling, wobei jeweils zwei bis drei junge Künstler vom Ungarischen Landesverein für
Bildende Künste empfohlen wurden. Diese Tradition wird mit dem 1950 gestifteten
Munkácsy-Preis fortgesetzt. Seitdem wird jedes Jahr ein dessen würdiger Künstler oder ein
Vertreter eines Kunstbereichs mit diesem Preis ausgezeichnet.
Munkácsy hatte viele Schüler, die er als väterlicher Förderer zum Teil auf eigene Kosten
unterrichtete. Der berühmteste von ihnen war József Rippl-Rónai (1861-1927), der jedoch von
1889 an schon andere Wege beschritt und sich von der künstlerischen Richtung, die sein
Meister vertrat, abwandte. Auch László Mednyánszky (1852-1919) verbrachte einige Wochen
bei Munkácsy, doch auch er wählte einen anderen Weg (ein). László Pataky (1857-1912),
Imre Révész (1859-1945) und Sándor Bihari (1855-1906) gelten ebenfalls als Nachfolger
Munkácsys, sie verehrten ihn sehr und hielten ihn für ihren Meister. Geistige Erben seiner
Kunst sind ferner Gyula Rudnay (1878-1957) und János Tornyai (1869-1936), sie gehörten
jedoch nicht mehr direkt zu seinen Schülern; ihr Talent entfaltete sich erst im Laufe des 20.
Jahrhunderts.



 

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